Archive for August, 2005
Kung Fu Corner
Von der Noon Day Gun machte ich mich Richtung Kowloon Park auf, wo jeden Sonntag zwischen 14.30 und 16.30 Uhr auf dem Sculpture Walk das sogenannte Kung Fu Corner stattfindet. Kung Fu Schulen aus ganz Hong Kong stellen ihr Können in traditionellen chinesischen Kampfkünsten unter den Augen einer Jury vor. Und Löwen- und Drachentänze werden aufgeführt.
Jeden Sonntag? Ein Event, dass man als leidlich Kung Fu Interessierter nicht verpassen sollte! Also ich kam so gegen 13.45 am Sculpture Walk an, der sich langsam mit Touristen – aber auch etlichen Chinesen – füllte und ergatterte mir ein gutes Plätzchen. Nachdem ich ein paar indischen Mädchen beim Singen zuhörte, einem armen Chinesen bei seinem Streifzug von Mülltonne zu Mülltonne zusah und eine chinesische Familie (Opa, Oma, Mutter & Sohn) beobachtete wurde es langsam 14.30 Uhr.
Doch leider geschah nichts. Vielleicht eine Vorführung des unischtbaren Drachens? Wohl eher nicht. Gegen 15.00 Uhr kam dann edlich eine Durchsage über die aufgestellten Lautsprecher. Die Veranstaltung fällt heute aus! Den Grund habe ich leider nicht erfahren. Tja schade. Hätten mich die Kung Fu Vorführungen brennend interessiert.
Noon Day Gun (午炮)
Am Sonntag hieß es erstmal ausschlafen. Als ich endlich aufgestanden war, machte ich mich – wie schon am ersten Tag mit meiner Schwester – auf zur Noon Day Gun (午炮). Also erneut durch die Tiefgarage des World Trade Centres und durch einen Tunnel unterhalb der Gloucester Road hindurch.
Das Abfeuern des Dreipfünders ist eines der wenigen kolonialen Überbleibsel in Causeway Bay. Die Kanone steht in einem kleinen Garten und wird jeden Tag Punkt 12.00 Uhr Mittags, sowie zu Neujahr am 31. Dezember von einem Jardine-Mitarbeiter abgefeuert. Anschließend wird eine Glocke acht mal geläutet, die das Ende der Vormittagswache signalisiert.
Der Ursprung dieser Tradition bleibt mysteriös. Einige behaupten, dass Jardine Matheson die Kanone ohne Erlaubnis abfeuerte, um einem abreisenden Direktor gute Reise zu wünschen oder eines ihrer ankommenden Schiffe willkommen zu heißen. Die Obrigkeit war von der Anmaßung so erzürnt, so dass sie die Firma dadurch bestrafte, dass diese die Kanone von nun an täglich abfeuern musste.
Eine eher nüchterne Erklärung ist, dass die Kanone – wie in vielen anderen Häfen auch – dazu abgefeuert wurde, damit die Schiffe im Hafen ihre Uhren – die zur Ermittlung des Längengrades benötigt werden – stellen konnten.
Chi Lin Nunnery (志蓮淨院)
Mit der MTR fuhr ich ab der Haltestelle Jordan mit der Tsuen Wan Line bis zur Haltestelle Prince Edward, wo ich in die Kwun Tong Line bis Diamond Hill umstieg.
Diamond Hill (鑽石山) ist ein Wohnviertel in New Kowloon, dass sich unterhalb des Hügels mit dem selben Namen befindet. Eine Diamantenmine gibt es hier jedoch nicht.
Etwa fünf Minuten von der MTR-Haltestelle befindet sich wohl Hong Kongs schönstes Kloster – Chi Lin Nunnery (志蓮淨院). Das Kloster wurde 1998 komplett im Stil der Tang-Dynastie neu aufgebaut. Dieser ruhige Ort der Andacht mit seinen Lotus-Teichen und makellosen Bonsai-Bäumchen soll die Einheit der Menschen mit der Natur darstellen, und ist ziemlich überzeugend – bis man aufsieht und die Wolkenkratzer ringsum erblickt.
Durch die große geografische Entfernung Diamond Hills von den üblichen Tourismuszentren und dem Fehlen weiterer “Attraktionen” bewegt man sich fast alleine durch die weitläufige Klosteranlage. Wie in allen anderen Klostern ist auch hier das Fotografieren der Buddha-Statuen nicht gerne gesehen, und sollte respektiert werden.
Auf dem Rückweg zur MTR-Station schlenderte ich noch durch das direkt durch den Ausgang C2 erreichbare Plaza Hollywood. In diesem riesigen Einkaufszentrum fand ich unter anderem eine Filiale von CD-Warehouse, die ziemlich preiswert (Orginal-) CDs und DVDs vertreiben. Selbstverständlich habe ich sofort zugeschlagen. Sin City, die Initial D Limited Edition und Ke Ke Xi Li waren mein. Die einzelnen Filialen von CD-Warehouse in Hong Kong sollten mich noch öfters sehen
.
Tsim Sha Tsui (尖沙嘴)
Vom Star Ferry Pier aus ging ich über die Salisbury Road vorbei am weltberühmten Peninsula Hotel, indem schon James Bond in The Man With The Golden Gun logierte. Damals – der Film ist aus dem Jahr 1974 – befand sich das Hotel allerdings noch direkt am Wasser. Auch hier wird einmal mehr deutlich, wie schnell sich die Stadt doch verändert und wie knapp der zur Verfügung stehende Platz doch ist.
Direkt nach dem Peninsula bog ich nach links in die berühmte Nathan Road (彌敦道) ab. Diese Straße ist die Hauptschlagader Kowloons (九龍) und verläuft von Süd nach Nord bis nach Mong Kok. Die Straße bekam nach dem zweiten Weltkrieg den Spitznamen The Golden Mile. Zum einen wohl wegen der zahlreichen Leuchtreklamen, die sich über der Straße befinden und zum anderen wegen der zahlreichen Juweliere, die sich hier befinden. Übrigens ein Phänomen, dass sich in ganz Hong Kong beobachten lässt. Geschäfte einer bestimmten Art sind nicht gleichmäßig über die ganze Stadt verteilt, sondern bilden immer mit anderen eine Einheit. Seien es nun Antiquitäten (Hollywood Road), Vögel (Yuen Po Street Bird Garden), Blumen (Flower Market Road), Fische & Aquarien (Tung Choi Street), Computer & Digitalkameras (Causeway Bay) oder eben Schmuck und Juwelen in der Nathan Road. Doch Vorsicht, hier werden wohl mehr Fälschungen als Originale verkauft. Bereits am Star Ferry Pier erwarten einen die Inder, die einem billige maßgeschneiderte Anzüge oder Uhren andrehen wollen. Wenigstens sind sie ehrlich! Angebote wie “Fake Rolex!” und “Copy Rolex!” muss man hier alle paar Meter über sich ergehen lassen.
Ziemlich am Anfang der Nathan Road befindet sich eine weitere Hong Konger Institution: Chungking Mansions (重慶大廈). Dieses mit zahlreichen billigen Hostels, Wechselstuben und Geschäften aller Art gefüllte Gebäude, bietet mittlerweile über 4.000 Menschen – überwiegend aus kulturellen Minderheiten wie Indien & Afrika – ein Dach über dem Kopf. Der Hong Konger Regisseur Wong Kar Wai setzte diesem Schmelztiegel verschiedener Kulturen mit seinem Film Chungking Express (重慶森林) ein filmisches Denkmal.
Etwas weiter nördlich befindet sich der Kowloon Park (九龍公園), eine riesige grüne Oase inmitten des von hektischem Treiben geprägten Tsim Sha Tsui (尖沙嘴). Unzählige Bänke laden an den zahlreichen Teichen und Vogelkäfigen zum Verweilen ein. Der Sculpture Walk zeigt Werke lokaler Künstler und dient am Sonntag als Austragungsort für Kung Fu Corner. Am nördlichen Ende des Parks befindet sich der Kowloon Park Swiming Complex. Hier ist aber am Wochenende vor lauter Badenden kein Wasser mehr zu sehen.
Avenue Of Stars (星光大道)
Von Central aus ging es dann mit der Star Ferry nach Tsim Sha Tsui wo ich noch einmal über die Avenue of Stars schlenderte und Fotos der im Boden eingelassenen Sterne der mir mehr oder weniger bekannten Stars des Hong-Kong-Kinos machte. Namen wie Bruce Lee, Jackie Chan, Michelle Yeoh oder Jet Li sind ja in Europa durchaus noch bekannt, aber bei Wong Kar Wai, Maggie Cheung, Andy Lau oder Tony Leung lichten sich die Reihen dann doch erheblich.
Ebenfalls zu sehen gibt es – neben der grandiosen Aussicht auf Hong Kong Island – eine Skulptur des Hong Kong Film Awards, dem asiatischen Oscar. Zahlreiche Infotafeln geben die Geschichte des lebendigen, umtriebigen und manchmal auch schwer gebeutelten Hong-Kong-Kinos wieder.
Ein Blick in das impossante Foyer des Hong Kong Cultural Centre lohnt ebenfalls. Ich war hier insgesamt zwei oder drei mal, und jedes mal herrschte emsiges Treiben aufgrund eines anstehenden Vorsprechens.
Hong Kong International Airport (香港國際機場)
Gegen 8 Uhr machen wir uns mit dem Airport-Express-Bus A11 auf den Weg zum zum Hong Kong International Airport, da meine Schwester heute nach Beijing zurückfliegt, um dort ihre letzte Woche Sprachkurs anzutreten.
Der Flughafen befindet sich auf der komplett künstlich aufgeschütteten Insel Chek Lap Kok nördlich von Lantau Island. Im Juli 1998 löste der neue Flughafen den alten Kai Tak International Airport ab, der sich mitten in der Stadt in der Kowloon Bay befand, und nicht mehr zeitgemäß war. Um den Flughafen mit dem Festland zu verbinden, wurde u.a. die 2,2km lange Tsing Ma Brücke errichtet, eine der weltweit größten Hängebrücken ist, die sowohl Straßen- wie auch Schienenverkehr unterstützt.
Nachdem meine Schwester eingecheckt hatte, und ihre Frequent Flyer Karte – mit falsch geschriebenem Namen – bekam, tranken wir noch einen Kaffee und verabschiedeten uns. Nun war ich also die nächsten Tage ganz auf mich alleine gestellt, in dieser wundervollen Stadt
.
Nachdem ich mich noch etwas am Flughafen umgesehen hatte, beschloss ich den Rückweg mit dem Airport Express anzutreten. Die 34km lange Hochgeschwindigkeitsbahn befördert die Passagiere in 19 Minuten nach Kowloon, bzw. in 23 Minuten nach Central, wo sich die Haltestelle direkt unter dem IFC befindet. Der Spaß kostet bis nach Central stolze 100HK$, die die Fahrt aber meines Erachtens nicht Wert ist – es sei denn man hat es eilig, denn schneller kommt man nicht nach Hong Kong Island. Die Aussicht ist nicht gerade spektakulär, und die Meiste Zeit blickt man eh nur auf eine Betonmauer. Wer also Zeit hat, sollte den deutlich günstigeren Bus nehmen, und bekommt dafür auch noch die schönere Aussicht geboten.
Aberdeen (香港仔)
Den Ocean Park verließen wir über den Ausgang beim Middle Kingdom und marschierten über die Shum Wan Road zum ca. 1km entfernten Aberdeen (香港仔). Kurz nachdem wir am exklusiven Aberdeen Marina Club vorbeikamen schwenkten auch wir nach rechts, wo sich ein Anleger für die riesigen Floating Restaurants sowie für Sampan-Tours befand. Nach kurzem Verhandeln konnten wir für 60HK$ pro Person – statt der geforderten 150HK$ – eine 30-minütige Tour durch den Hafen von Aberdeen antreten.
Der Hafen bietet einen natürlichen Schutz vor Taifunen, da die Insel Ap Lei Chau (鴨脷洲) (Duck’s Tongue Island) dem Hafen vorgelagert ist. Wer hier jedoch die Dschunkenstadt erwartet, wie sie ein zahllosen Spielfilmen gezeigt wurde, wird jedoch enttäuscht sein. Ein verherendes Feuer hat die meisten Bewohner vom Wasser in die umliegenden Hochhaussiedlungen vertrieben. Eine kleine Minderheit ist aber noch vorhanden und bietet noch einen Schuss Fernost-Exotik.
Nach unserer Sampan-Tour ging es über die Aberdeen Praya Road zur Aberdeen Promenade. Von hier aus sieht man noch einmal die zahllosen Boote im Hafen und die Hochhaussiedlungen auf dem gegenüberliegenden Ap Lei Chau. Wer noch keine Sampan-Tour gemacht hat, kommt hier eigentlich nicht mehr drumherum, denn ständig sprechen einen Frauen mit »Sampan Sampan« an um die tollste, schönste und billigste Fahrt anzubieten.
Von der Aberdeen Promenade aus machten wir uns dann auch mit dem Bus zurück auf den Weg nach Central. Die Fahrt verlief an der Ostküste von Hong Kong Island entlang und bot einige schöne Küstenszenerien.
Ocean Park (海洋公園)
Am nächsten Tag stand der Ocean Park (海洋公園) auf dem Programm. Mit der MTR gings nach Admiralty (金鐘), von wo aus nach Kauf des Eintritts-Tickets (185HK$) ein Shuttlebus zum Ocean-Park fährt. Leider sind wir nicht die Einzigen, die an diesem Tag in den Park wollen, und so bildet sich bereits eine lange Warteschlange, die aber – wie immer in Hong Kong – perfekt organisiert ist. So gibt es kein Gedrängel und Geschreie.
Nach ca. 20-30 Minuten Fahrt – u.a. durch den Aberdeen Tunnel – erreichen wir den Eingang zum Park. Der Park ist in zwei Teile aufgeteilt, die durch eine Seilbahn verbunden sind. Die Lowland Section besteht zum größten Teil aus Gartenanlagen mit großen Teichen, einem Aquarienhaus mit einer Vielzahl bunter Fische, einem Bereich über Dinosaurier mit einem herrlich doof schreienden Tyranosaurus Rex
, und der Hauptattraktion, dem Pandahaus, dass die beiden Pandas An An und Jia Jia beherbergt.
Die Fahrt zur Headland Section mit der 1500 Meter langen Seilbahn bietet einen wundervollen Blick auf das südchinesische Meer. Hier sind unter anderem ein Hai-Aquarium zu finden, dass man durch einen Tunnel durchschreiten kann, so dass man rundherum von verschiedensten Haiarten und kreischenden Kindern (Keine Ahnung was furchteinflösender ist?) umgeben ist. Eine Korallenriff, dass man über drei Stockwerke umrunden kann, gibt einen tollen Einblick in Nemo’s Zuhause. Diverse Fahrgeschäfte und eine Killerwal-Show sind hier ebenfalls zu finden (die Show haben wir leider verpasst
). Dafür standen wir ca. 45 Minuten beim Dragon Roller Coaster an, und just in dem Moment als wir drankommen sollten ging ein starker Regenschauer nieder, der so stark war, dass die Achterbahn ihren Fahrbetrieb einstellen musste. Nach weiteren 15 Minuten warten – bis der Regen vorbei war – begaben wir uns auf die halsbrecherische Fahrt.
Anschließend machten wir uns über den Weg an der Küste entlang auf zum Middle Kingdom. Eine 272 Meter langes Rolltreppensystem führt dort am Ende des Weges wieder auf Meereshöhe hinunter. Die Werbung verheißt einen Gang durch 5000 Jahre chinesischer Geschichte. Was einem im Endeffekt erwartet ist ein original 1990 errichtetes Dorf aus Templen, Pagoden und traditionellen Straßenszenen verschiedener Zeitepochen. Trotz des hohen Kitschfaktors aber durchaus sehenswert.
Central (中環) bei Nacht
Auf dem Rückweg vom Hong Kong Park Richtung MTR-Station bot sich bei überqueren der Queen’s Road Central noch ein schöner Blick auf die bunt beluchteten Gebäude an der Straßengabelung von Queen’s Road Central und Des Voeux Road Central. Im Vordergrund ist der alte Bank of China Tower zu sehen. Dahinter das Hong Kong & Shanghai Bank Building und rechts davon das Legislative Council. Hinter dem Legislative Council ist das Prince’s Building, das Mandarin Oriental sowie das Jardine House (von links nach rechts) zu erkennen. Bei dem angeschnittenen Gebäude ganz links handelt es sich um das Cheung Kong Centre.
Dreht man sich um 180°, steht man direkt zu Fuße des neuen Bank of China Towers, der in ein Skelett aus Licht gepackt ist.
Hong Kong Park (香港公園)
Von den Dreharbeiten ging es weiter, vorbei am Legislative Council und am Charter Garden um nach dem Bank Of China Tower rechts in den Cotton Tree Drive abzubiegen. Hier befindet sich der Hong Kong Park (香港公園), Hong Kongs schönster Stadtpark.
Mit den Wolkenkratzern auf der einen Seite, und den Bergen auf der anderen bietet der Park einige wunderschöne dramatische Bilder.
Der 8 Hektar große Park bietet neben etlichen Teichen, Brunnen und Wasserfällen unter anderem noch eine Vogelhaus mit Holzbrücken durch die Baumwipfel – das Edward Youde Aviary, ein Teemuseum – das Flagstaff House Museum of Tea Ware oder einen T’ai Chi Garten.
Mitten im Park befindet sich auch das L16, ein thailändisches Restaurant mit einer schönen Terrasse, wo wir zu Abend gegessen haben. Eine Filiale hiervon eröffnet in Kürze auch auf dem Peak.